TILDE
Die Anwesenheit der Abwesenheit

Samantha Bohatsch, Henriette Grahnert, Jana Gunstheimer,
Franziska Jyrch, Ellen Möckel, Lisa von Billerbeck

20. September – 20. Oktober 2013
Klinger-Forum e.V. in der Klinger-Villa, Karl-Heine-Str. 2, 04229 Leipzig

ÖFFNUNGSZEITEN
FR 14 – 18 Uhr, SA/SO 10 – 18 Uhr

Der Eintritt ist frei, Führungen auf Anfrage.

Unter dem Titel »Tilde« stellt sich das Klinger Forum Leipzig mit der ersten Sonderausstellung zur Förderung junger Kunst im Herbst 2013 vor. Sechs zeitgenössische Künstlerinnen positionieren sich in Installationen, Malerei, Texten und Zeichnungen zum Thema »Anwesenheit der Abwesenheit«. Titel und Gegenstand der Ausstellung verweisen auf einen anhaltenden philosophischen Diskurs, indem die Ausschnitthaftigkeit, Temporalität und Perspektivität unserer Wahrnehmung und die daraus resultierende Ungewissheit über die Welt und deren Phänomene im Zentrum steht.

Dem Ausstellungsformat »Tilde« wohnt dabei eine doppelte Bedeutung inne. Ausgehend von einem poetischen Ansatz verweist »Tilde« einerseits auf einen weiblichen Vornamen und beschreibt damit die ausdrückliche Wahl der ausstellenden Künstlerinnen. Andererseits beschreibt »Tilde« ein naturwissenschaftliches Symbol, das für die Annäherung an einen Wert steht. Somit kann diese Ausstellung als Experimentierfeld, als Annäherung an ein Motiv und Thema verstanden werden, das Sichtbares und zugleich Unsichtbares vereint.

Die Künstlerinnen lenken uns in ihren Werken auf verschiedene Konstellationen des Abwesenden und werden dabei zu Visionärinnen, die den Betrachter_innen Einblicke in ihre individuellen zeitraffenden oder entzerrenden Vorstellungswelten bieten. Sie erzeugen Bildlandschaften, in denen wir uns auf die Suche nach Erinnerungsschichten begeben und neue Anhaltspunkte für Zwischenräume, Leerstellen oder Absenzen finden können. In den ausgestellten Werken ist sowohl das Proportionale, aber auch das Zufällige enthalten, das sich in einer Wechselspannung zwischen Realität und Fiktion, zwischen Sichtbaren und Unsichtbaren, zwischen Gestern und Heute, zwischen Fragment und Entität, zwischen Gegenständlichem und Abstraktem bewegt.

Ellen Möckel (geb. 1984) schafft teils großformatige Zeichnungen, die zwischen Abstraktem und Gegenständlichem changieren und einen Zustand beschreiben, der zwischen der Erinnerung, die als Wert in uns gespeichert ist, und dem, was durch Veränderungen in dieser Erinnerung zu Neuem führt, liegt. In ihren Zeichnungen beschreibt sie anonyme Strukturen - einem Baukasten verwandter Formen und Elemente gleich – in denen Linien, Langstriche und Ungeraden zu Stäben, Stangen, Fäden, Bändern, Pfeilen, Nadeln oder Ästen und Kabeln werden. So entwirft sie Bildlandschaften, die in ihrer konstruierten Vielschichtigkeit zu körperhaften Transiträumen werden.

Im Gegensatz dazu sind die Zeichnungen von Lisa von Billerbeck (geb. 1985) kleinformatig. In ihren Zeichnungen steht die Betrachtung der an Orte geknüpften Ereignisse im Wandel der Zeit im Zentrum. Sie sind Notizen dieser Erinnerungen, die sich im Bewusstsein abgelegt haben und nun durch die Gegenwart wieder geweckt und neu gefärbt werden. Lisa von Billerbeck lässt sich in ihren Arbeiten auf die Beständigkeit von Zeit, aber auch auf den Übergang von einem Zustand in einem anderen ein, der die Erinnerungen zu Mythen werden lässt. Sie hallen als Echos zurück. So bleiben in Zeichnung und Text temporäre Zustände zurück, die als Wahrheiten verkleidet und durch die zeitgebundene Wahrheit jedoch »immer anders und gleichzeitig immer richtig« sind.

Samantha Bohatsch (geb. 1984) arbeitet ebenfalls einerseits mit Konkretem, der Sprache, andererseits zeigt sie virtuos, welche Illusionskraft Texte besitzen. Dabei versucht sie als Bildende Künstlerin Visuelles zu beschreiben und lässt in der Vorstellung der Betrachter_innen Bild- und Zeiträume entstehen. Die Basis ihrer Arbeiten ist ihre ganz persönliche, sehr individuelle Erinnerung, die sie in ihren Arbeiten zu visuellen Textlandschaften verdichtet.

Franziska Jyrch (geb. 1980) gehört zu jenen jungen Künstlerinnen, die in ihren Arbeiten nach anderen »Möglichkeitsräumen« und neuen Formen der Abstraktion suchen. Für ihre raumgreifenden Installationen benutzt sie typische Materialien aus dem Umfeld und Kontext der Malerei wie Keilrahmen, Leinwände und Farbe, die sie mit alltäglichen Dingen zu einem Bildensemble kombiniert. Diese installativen Bilder referieren zwar auf die Malerei, sind jedoch kein »Bild« im traditionellen Verständnis mehr, sondern sie erforschen neue Dimensionen des Bildnerischen.

Die in Zwickau geborene, international renommierte Künstlerin Jana Gunstheimer (geb. 1974) arbeitet sowohl installativ als auch zeichnerisch. Dabei referiert sie gern auf Motive oder gar bekannte Gemälde aus der Kunstgeschichte und thematisiert gleichzeitig das diesen Werken inhärente Transzendente und somit Unsichtbare. Zeichnungen sind in ihrem Oeuvre immer Orte des Imaginären und dienen als Projektionsflächen, in denen sich illusionistische Räume in der Vorstellung der Betrachter_innen öffnen.

Auch die bekannte Leipziger Malerin Henriette Grahnert (geb. 1977) entwirft in ihren Arbeiten Zwischenräume und Leerstellen, die das Davor und das Dahinter der Gedanken zu beschreiben versuchen, ohne es konkret bildnerisch zu benennen. So ist auffällig, dass in ihren Bildern zumeist Gegenstände oder Motive fehlen, sie aber dennoch durchaus greifbar und konkret sind.

Kuratorin Dr. Claudia Tittel (geb. 1973) ist Kunsthistorikerin und arbeitet z. Zt. als wissenschaftliche Assistentin am Kunsthistorischen Seminar der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Sie war zuvor zwei Jahre an der HGB Leipzig tätig. Lehraufträge im In- und Ausland. Vielfältige kuratorische Projekte, zuletzt »Serielle Materialität. Imi Knoebel und Peter Roehr« im Kunstverein Gera e.V.

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Warten auf Gott

Anna Baranowski, Erik Buchholz, Simon Frisch, Rolf Giegold, Jana Gunstheimer, Luise Schröder, Joachim B. Schulze, Thomas Taube, Barbara Toch, Alba d’Urbano, Hannes Waldschütz
Kuratiert von Claudia Tittel

13.09.-09.11.2013

Ausstellung im Geraer Kunstverein e.V., Am Markt 8/9, 07545 Gera
ÖFFNUNGSZEITEN
Mi-Sa 11 – 15 Uhr

Der Eintritt ist frei, Führungen auf Anfrage.

Die Ausstellung „Warten auf Gott“ widmet sich dem Thema der Religion in unserer säkularisierten Gesellschaft. In den verschiedenen Medien Malerei, Zeichnung, Video, Skulptur und Installation setzen sich 11 international renommierte Künstler_innen aus Jena, Weimar, Leipzig und Berlin auf sehr unterschiedliche und individuelle Art und Weise mit dem komplexen System „GOTT“ auseinander. Sieargumentieren weniger theologisch, als dass sie vielmehr das Thema künstlerisch unter verschiedenen Perspektiven betrachten.

Dabei geht es den Künstler_innen nicht um die Frage nach der Gottesexistenz per se, sondern darum, ob „Gott“ nicht als übergeordneter Begriff für etwas Unerklärliches, Übernatürliches und Transzendentes fungiert. Bereits der Titel der Ausstellung, der auf das berühmte Theaterstück von Samuel Beckett „Warten auf Godot“ aus dem Jahr 1948 rekurriert, verweist auf diesen Schwebezustand zwischen Wissen und Glauben und vor allem auf die immerwährende Frage nach dem Sein und dem Sinn des Lebens. Insbesondere Künstler_innen setzen sich in ihren Werken mit der Sinnfrage auseinander, in der vielfältige Aspekte des Religiösen mitreflektiert werden, so etwa nach der Berufung zum Künstler oder der Rolle der Religion im eigenen Leben oder auch der Wechselwirkungen von Kirche und Staat, Religion und Gesellschaft. Ebenso werden die verschiedenen Funktionen der Kirche in unserer Zeit hinter- und befragt. Um interessante Perspektiven und neue Ansätze zum Thema Glauben geht es in der Ausstellung, die ganz bewusst ergebnisoffen gestaltet ist.

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