Lehrveranstaltungen WS 2014/15
Friedrich-Schiller-Universität Jena

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FLUXUS. Die Kunst des Intermedia
AUFBAU- UND VERTIEFUNSMODUL

Termine:
24.10.2014, 12.15-13.45 Uhr (EAP 8, R. 208)
07.11.2014, 10.15-13.45 Uhr (EAP 8, R. 208)
14.11.2014, 10.15-13.45 Uhr (EAP 8, R. 208)
21.11.2014, 10.15-13.45 Uhr (EAP 8, R. 208)
05.12.2014, 10.15-13.45 Uhr (n.n.)
12.12.2014, 10.15-13.45 Uhr (Frommannsches Anwesen)
17.12.2014, 11.45-15.45 Uhr (Frommannsches Anwesen)
09.01.2015, 12.15-13.45 Uhr, (EAP 8, R. 208)
17.12.2014, 18 Uhr, Fluxus-Konzert im Frommannschen Anwesen

Der Terminus „Fluxus“ – der von George Maciunas für eine Gruppe von Künstler_innen erfunden wurde, die ein internationales Netzwerk bildeten – wurde in den 1960er Jahren zu einem Label, einer Marke für eine gattungsübergreifende Kunstpraxis und einen erweiterten Kunstbegriff, in dem die Grenze zwischen Kunst und Leben, zwischen Musik und Literatur, zwischen Konzert und Performance, Zufall und Determination ausgelotet wurde. In den sogenannten Fluxus-Events oder Fluxus-Performances wurden nicht nur die Gattungen, sondern auch die medialen und musealen Dispositive gesprengt und grenzüberschreitende multisensuale, prozessorientierte Kunstwerke kreiert. All diese Arbeiten erweiterten nicht nur den Kunstbegriff, sondern ebenso den Wahrnehmungshorizont des Publikums, das häufig in die Aktionen integriert wurde. Ebenso wie diesen Arbeiten immer eine Institutionskritik inhärent ist, wurden auf sehr spielerische Weise alle Kategorien eines Kunstwerkes negiert: „FluxusKunstVergnügen muss einfach, unterhaltend, anspruchslos sein, es muss sich mit unbedeutenden Dingen beschäftigen, es darf keine Geschicklichkeit oder zahllose Proben erfordern, darf keinen Waren- oder institutionellen Wert haben“, konstatierte George Maciunas.

Im Seminar werden wir uns sowohl mit den künstlerischen als auch theoretischen Vorläufern von Fluxus wie z.B. Dada und John Cage aber auch der historischen Situation, in der diese Kunstrichtung entstand, auseinandersetzen und uns dabei behutsam diesem Phänomen annähern. Neben der Lektüre zentraler Texte von und über die Fluxisten, werden wir neue Formen der theoretischen Aneignung erproben, indem wir über diese hinausgehen. So sieht sich das Seminar als Experimentierfeld, welches die Grenze zwischen Theorie und Praxis überschreiten möchte. Neben der theoretischen und wissenschaftlichen Annäherung an das Phänomen, sollen gleichwohl Performances einstudiert und in einem Fluxus-Konzert aufgeführt werden. Es ist deshalb sowohl als Theorieseminar als auch als Praxismodul, in jedem Fall aber als Aufbau- und Vertiefungsmodul im Bereich Film, Fotografie, Medienkunst aber auch Moderne gedacht.

Lehrveranstaltungen SS 2014
Friedrich-Schiller-Universität Jena

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ARCHITEKTUR UND FILM
Von der Kinoarchitektur zur kinematographischen Fassade.
MI 12-14 ERNST-ABBE-PLATZ 8, R. 218
AUFBAU- UND VERTIEFUNGSMODUL

Das Kinoerlebnis beginnt nicht erst in dem Moment, in dem die Projektion der Lichtbilder auf die Leinwand trifft und einen Filmraum eröffnet, der die Filmarchitektur vor den Betrachter_innen ergießt und die Besucher_innen in imaginäre Räume „entführt“. Ebenso wie das Kinoerlebnis bereits mit dem Betreten der Lichtspielhäuser beginnt und durch die Anordnung des Sehens im Kinodispositiv vereitelt wird, ist die Kinoerfahrung mit der Kinoarchitektur selbst verbunden. Durch die „Architektur des Zuschauens“ wird die Bedingung für das Eintauchen in imaginäre Räume im Film geschaffen: Der Raum des Films ist der erweiterte Raum des Kinos – seine Verlängerung. Wenn nun im 21. Jahrhundert in zahlreichen künstlerischen Großprojekten gebaute Architektur zur Leinwand und damit zur kinematographischen Fassade wird, zeitigt diese Entwicklung wiederum neue Wahrnehmungsmodi, durch die das filmische Dispositiv um Aspekte des architektonischen Raumes erweitert wird.

Im Seminar sollen diese Verbindungen zwischen kinematographischen und architektonischen Räumen untersucht werden. Dabei spielt ebenso die Kinoarchitektur selbst als auch die konvergente Rhetorik von Architektur und Film eine Rolle. Zudem können gemeinsame historische Bedingungen konzediert wie auch eine gegenseitige Beeinflussung beider Disziplinen festgestellt werden: Während der kinematographische Blick im Kino von jenem der Horizontalität des Panoramas geprägt ist, löste sich auch in der Architektur des Neuen Bauens die Vertikalität der Fenster zugunsten eines panoramatischen Fensters und damit eines kinematographischen Blickes auf. Durch die großen Fensteröffnungen in den Häusern des Neuen Bauens wurde der Innenraum selbst zu einer Bühne und damit zu einem Schaufenster...

Literatur:
Doris Agotai, Architekturen in Zelluloid. Der filmische Blick auf den Raum, Bielefeld 2007, Andreas Beyer (Hg.), Zwischen Architektur und literarischer Imagination, München 2013, Giuliana Bruno, Public Intimacy. Architecture and the Visual Arts, Cambridge Mass. 2007, Giuliana Bruno, Atlas of Emotions. Journeys in Art, Architecture and Film, New York 2011, Beatriz Colomina, Privacy and Publicity. Modern Architecture and Mass Media, Cambridge Mass. 1996, Gertrud Koch, Robin Curtis und Marc Glöde (Hg.), Umwidmungen: architektonische und kinematographische Räume, Berlin 2005, Dietrich Neumann (Hg.), Filmarchitektur: Von Metropolis bis Blade Runner, München 1996, Francois Penz und Maureen Thomas (Hg.): Cinema & Architecture. Méliès, Mallet-Stevens, Multimedia, Cambridge 1997, Nathalie Bredella, Die Architektur des Zuschauens. Imaginäre und reale Räume im Film, Bielefeld 2009, Kester Rattenbury, This is not architecture. Media Constructions, London 2002, Hans Dieter Schaal, Learning from Hollywood. Architektur und Film, Stuttgart 1996, Karl Sierek, Vorschrift und Nachträglichkeit. Zur Rhetorik von Bauen und Film, in: Daidalos 64 (1997), S. 116-121, Helmut Weihsmann, Cinetecture. Film, Architektur, Moderne, Wien 1995.

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Paris. Stadt der Moderne.
Walter Benjamin „Das Passagen-Werk“ (1927/35-1940)
Lektüreseminar
DI 14-16 ERNST-ABBE-PLATZ 8, R. 220
AUFBAU- UND VERTIEFUNGSMODUL

Ausgehend von Walter Benjamins bis zuletzt unvollständig gebliebenen „Passagen-Werk“, welches er 1927 begann und zwischen 1935 bis zu seinem Tod 1940 niederschrieb, wird sich das Seminar mit Paris als Stadt der Moderne beschäftigen. Das Fragment gebliebene und mit Zitaten dichtgedrängte ungewöhnliche Werk Benjamins gibt einen tiefen Einblick, nicht nur in das Denken eines der wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts, sondern darüber hinaus in das Paris des 19. Jahrhunderts. Benjamin versuchte mit seiner Passagen-Arbeit eine umfassende Theorie der Moderne dazulegen.

Im Seminar wird dabei nicht nur die Passagen-Arbeit, sondern die Passage, einerseits als Denkfigur Benjamins (re)konstruiert und andererseits als reales Bauwerk, das den Übergangs- und Schwellenort in das moderne Zeitalter darstellt, behandelt. Über die Passage hinaus widmete sich Benjamin im „Passagen-Werk“ einer großen Bandbreite weiterer Themen: dem Flaneur als Kunstfigur, Paris als Kultur- und Kunstmetropole des 19. Jahrhunderts und als Ort der neuen Medien wie Diorama, Panorama und Fotografie. Zudem nimmt Benjamin die städtebauliche Entwicklung Paris’ und seiner Veränderung durch Haussmann unter die Lupe. Mit Sicherheit kann gesagt werden, dass das „Passagen-Werk“ wie kein anderes Buch unsere Vorstellung von Paris und die Geschichte und Kultur der Moderne bis heute prägt wie kein anderes. Das „Passagen-Werk“ gehört damit zur unbedingten Lektüreempfehlung für eine Exkursion nach Paris und an seine Erinnerungsorte des 19. Jahrhunderts.

Lit.: Walter Benjamin, Das Passagen-Werk, 2 Bände, Frankfurt am Main 1991.

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PARIS. STADT DER MODERNE
EXKURSION
12.08.-21.08.2014

Lehrveranstaltungen WS 2013/14
Friedrich-Schiller-Universität Jena

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THE MEDIUM IS THE MESSAGE. Medientheorie für Anfänger
DO 12.15 – 13.45 UHR / ERNST-ABBE-PLATZ 8, R. 220
BASISMODUL

Tutorium zum Seminar:
Mi 8.15 – 9.45 Uhr/ Fürstengraben 1, R. 163
Tutorin: Meike Boldt

Im Seminar werden Grundlagen im Bereich der Medientheorien von den Anfängen bis zur Gegenwart vermittelt. Anhand ausgewählter Texte sollen die Teilnehmer_innen mit Themen und Fragestellungen der Medientheorie vertraut gemacht werden. Dabei sollen wichtige medientheoretische Positionen und grundlegende Begriffe bzw. Theoreme vorgestellt und diskutiert werden. Wichtige Texte von Platon über Walter Benjamin, Theodor W. Adorno/Max Horkheimer, Umberto Eco, Marshall McLuhan, Paul Virilio u.a. stehen im Mittelpunkt der einzelnen Sitzungen. Das Seminar ist für Erstsemestler_innen gedacht, die einen ersten Überblick über Grundlagen und Positionen der Medientheorie erhalten wollen. Es soll vor allem eine Orientierung bieten und erste medientheoretische Kenntnisse vermitteln, die während des weiteren Studiums vertieft werden sollen.
Übernahme eines Referates und eine schriftliche Hausarbeit ist Bedingung für die Teilnahme am Seminar. Gruppenarbeit ist möglich.

Literaturempfehlung:
Günther Helmes und Werner Köster: Texte zur Medientheorie. Stuttgart 2002, Daniela Kloock und Angela Spahr: Medientheorien. Eine Einführung. 3. Aufl. München 2007, Rainer Leschke: Einführung in die Medientheorie. München 2003, Dieter Mersch: Medientheorien zur Einführung. Hamburg 2006, Claus Pias u. a. (Hrsg.): Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. München 1999.

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THEORIEN DES SCREENS. Von der "finestra aperta" zum "virtual window"
DO 10.15 – 11.45 UHR / ERNST-ABBE-PLATZ 8, R. 220
VERTIEFUNGSMODUL

Nicht erst durch das Betriebssystem „Windows“ von Microsoft wurde der Screen als Metapher eines Fensters beschrieben. Bereits Alberti verglich das Gemälde mit einem „offenen Fenster“, durch das der/die Betrachter_in in einen anderen Raum blicken könne, der außerhalb des eigenen liegt. Diese Fenstermetapher wird bis heute von verschiedenen Film- und Medientheoretikern für das Dispositiv des Screens, vom Gemälde über das Kinodispositiv, das Schaufenster, das Fernsehen, zu den Benutzeroberflächen eines Computers bis zu „urban screens“ verwendet und um verschiedene Aspekte des Virtuellen und Digitalen erweitert. Im Seminar sollen die grundlegenden Theorien des Screens von Leon Battista Alberti über André Bazin bis zu Vilèm Flusser, Paul Virilio, Lev Manovich und Slavoj Žižek intensiv nachvollzogen und diskutiert werden.

Das Seminar unterscheidet sich von anderen insofern, als grundlegende Techniken des Lesens und Schreibens wissenschaftlicher Texte angeleitet und reflektiert werden. Wir gehen dabei von einem authentischen Arbeitsarrangement aus: Gemeinsam wollen wir eine kommentierte Anthologie der Grundlagentexte zu den Theorien des Screens erarbeiten. Ausgehend von entsprechenden Lektüretechniken sollen in kleinen Arbeitsgruppen jeweils ausführliche Kommentartexte entstehen. Welche Kriterien diese Texte erfüllen müssen, werden wir gemeinsam aushandeln. Das Entstehen der Texte wird zudem schreibdidaktisch angeleitet und eingehend besprochen. Deshalb ist die Teilnehmerzahl auf max. 20 begrenzt.

Lit.: Anne Friedberg: The Virtual Window. From Alberti to Microsoft, Cambridge, Massachusetts 2006.

Lehrveranstaltungen SS 2013
Friedrich-Schiller-Universität Jena

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VOM BRONZEGUSS ZUM INTERNET. Die Geschichte der Reproduktionsmedien
DO 12.15 – 13.45 Uhr/ ERNST-ABBE-PLATZ 8, R. 218
Aufbau-Vertiefungsmodul
Neuzeit/Moderne/ Film, Fotografie, Medienkunst

Nicht erst durch die Digitalisierung ist das Kopieren zu einer gängigen Praxis geworden, vielmehr gehören Reproduktionstechniken seit jeher zur Kunstgeschichte. Waren es bis ins 19. Jahrhundert hinein mit Bronzeguss, Holzschnitt, Kupferstich, Radierung oder Lithographie vor allem manuelle Reproduktionstechniken, so hat sich durch die technischen Verfahren der Fotografie und Film, später dann Video und noch stärker durch die Digitalisierung auch der Wesenscharakter der neuen Bildwerke geändert.

Im Seminar sollen nicht nur Kenntnisse über die verschiedenen Reproduktionstechniken von ihren Anfängen bis ins digitale Zeitalter vermittelt werden, sondern anhand der Entwicklung auch deren jeweilige mediale Dimensionen reflektiert werden. Dabei werden sowohl Fragen nach der Bedeutung von Reproduktionstechniken für die Produktion und Rezeption von Kunstwerken, aber auch für die Methoden des Faches Kunstgeschichte, die auch gleichzeitig eine Mediengeschichte ist, gestellt und hoffentlich auch beantwortet. Einerseits sollen die Studierenden mit der Geschichte der Reproduktionstechniken von der Antike bis heute vertraut gemacht werden, andererseits sollen die Charakteristika der verschiedenen Techniken kennen- und diese unterscheiden gelernt werden. Dabei werden ebenso basale Methoden des wissenschaftlichen kunst- und medienhistorischen Arbeitens vermittelt, wie ebenso Fachbegriffe erworben und angewendet werden. Ergänzt wird das Seminar durch Exkursionen in die graphischen Werkstätten der Hochschule für Graphik und Buchkunst Leipzig sowie in die Kunstsammlung der Klassikstiftung Weimar und thematische Ausstellungen in der Umgebung.

Bemerkung/Hinweis: Die Zulassung zum Seminar erfolgt nach der 1. Sitzung manuell durch die Dozentin (keine automatische Platzvergabe durch Friedolin)!

Einführende Lit.: Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: ders., Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Drei Studien zur Kunstsoziologie, Frankfurt am Main 1963, S. 7-44, René Hirner (Hrsg.), Vom Holzschnitt zum Internet. Die Kunst und Geschichte der Bildmedien von 1450 bis heute, Ausstellungskatalog Kunstmuseum Heidenhein, Ostfildern-Ruit 1997, Walter Koschatzky, Die Kunst der Graphik. Technik – Geschichte – Meisterwerke, Salzburg u.a. 1990, Ariane Mensger (Hg.), Déjà vu. Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis Youtube, Ausstellungskatalog Kunsthalle Karlsruhe, Heidelberg 2012, Jörg Probst (Hrsg.), Reproduktion. Techniken und Ideen von der Antike bis heute, Berlin 2011, Wolfgang Ullrich, Raffinierte Kunst. Übungen vor Reproduktionen, Berlin 2009.

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KURATORISCHES ARBEITEN MIT OBJEKTEN AUS DER KUSTODIE.
Serielle Materialität(en). IMI Knoebel und Peter Roehr. Ausstellung im Kunstverein Gera e.V.
AUFBAU- UND VERTIEFUNGSMODUL

Termine:
12.04.201310-14 Uhr, Seminarraum Frommannsches Anwesen
03.05.201310-16 Uhr, Seminarraum Frommannsches Anwesen
17.05.201310-16 Uhr, Kunstverein Gera e.V.
02.07.201310-18 Uhr, Kunstverein Gera e.V.
10.07.201310-18 Uhr, Kunstverein Gera e.V.
11.07.201310-22 Uhr, Kunstverein Gera e.V.
31.08.201312-18 Uhr, Kunstverein Gera e.V.

Die Kustodie der Friedrich-Schiller-Universität Jena verwaltet und betreut über 1300 Kunstwerke und ist in einer für deutsche Hochschulen einzigartigen Konstellation direkt an das Kunsthistorische Seminar angebunden. Somit ist eine Einbindung der Bestände der Kustodie in die Lehre nicht nur sinnvoll, sondern dringend notwendig. Gleichzeitig besteht eines der Zielarbeitsfelder für KunstwissenschaftlerInnen im Umgang mit Sammlungsbeständen bzw. in der Aufgabe, deren Kunstobjekte immer wieder aktuell in den historischen Kontext zu stellen. Dies soll anhand einer Ausstellung zum Thema „Serielle Materialität(en). IMI Knoebel und Peter Roehr“ umgesetzt werden, die in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Gera e.V. und Studierenden der FSU konzipiert und durchgeführt werden soll.

Eine der Hauptaufgaben des Seminars und der daraus folgenden Ausstellung soll es also sein, einen wichtigen Werkbestand der zeitgenössischen Kunstsammlung der FSU Jena aus ihrem Depot herauszuholen und mit anderen wichtigen Werken zeitgenössischer Kunst in Beziehung zu setzen und damit auch das Oeuvre des bedeutenden deutschen Künstlers IMI Knoebel in einem größeren Zusammenhang darzustellen.

Mit diesem Seminar wird die Möglichkeit geboten, das kuratorische Arbeiten anhand ausgewählter Objekte der Kustodie zu erlernen und zu erproben. Inhalt des Blockseminars ist die Erarbeitung einer fachwissenschaftlichen Bibliografie zur Einführung in objekt- und sammlungsbezogenes Arbeiten. Weitere Aufgaben sind: Erarbeiten eines Ausstellungskonzeptes, das Erlernen der praktischen Umsetzung dieses, das Erlernen der erforderlichen administrativen Tätigkeiten sowie das Erstellen eines Zeit- und Finanzplans, Erstellen der Konzeption des Ausstellungskatalogs sowie dessen Umsetzung.

Bemerkung/Hinweis:
Das Seminar kann sowohl als Aufbau- bzw. Vertiefungsmodul Moderne als auch als Praxismodul belegt werden. Die Zulassung zum Seminar erfolgt nach der 1. Sitzung manuell durch die Dozentinnen (keine automatische Platzvergabe durch Friedolin)!

Lehrveranstaltungen SS 2012
Friedrich-Schiller-Universität Jena

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VIDEOKUNST
DI 16.15 – 17.45 UHR / ERNST-ABBE-PLATZ 8, R. 218
BASISMODUL

Tutorium zum Seminar:
Mi 18.15 – 19.45 Uhr/ CZ 13, R. 221
Tutorin: Sabrina Karg

„Video ist eine Art Zeitmaschine. Man hat all diese Bänder, und man kann sich seine schöne Vergangenheit ansehen.“
(Nam June Paik)

„1962 kaufte ich 13 gebrauchte Fernsehgeräte. Ich hatte keine vorgefertigte Idee. Niemand hatte vorher zwei Frequenzen gleichzeitig eingestellt. Also habe ich das einfach getan, horizontal und vertikal, und dabei kam eine absolut neue Sache heraus. Ich mache Fehler über Fehler, und das Ergebnis ist immer positiv. Das ist die ganze Geschichte meines Lebens.“
(Nam June Paik)

Videokunst gehört zu den wichtigsten Gattungen der (Medien)Kunst. Seit ihrer Entstehung weist sie vielfältige Verbindungslinien und Zugänge zu anderen Gattungen auf. Von Körperdarstellungen, über Landschaftsaufnahmen, Dokumentationen, narrativen Bildern, Gender, musikalischen Clips bis zu abstrakten Kamerazeichnungen reicht das thematische Repertoire und auch die künstlerischen Ansätze und ihre Ausdrucksformen sind stark ausdifferenziert.
Im Seminar werden wir uns dem weiten Feld der Videokunst von den Anfängen bis zur Gegenwart widmen. Dabei wird immer wieder die Frage im Zentrum stehen, was unter Videokunst verstanden wird und was nicht. Wir werden die Entstehung der Gattung, ihre Sujets und Genres anhand herausragender künstlerischer Positionen untersuchen. Zudem werden wir uns thematisch und ästhetisch mit ihren Erscheinungsformen und ihrer „Mise-en-scène“ beschäftigen. Hierbei soll auch die Abgrenzung zum Film oder Fernsehen herausgearbeitet wie auch die unterschiedlichen Annäherungsversuche und Überschneidungen von beiden Seiten untersucht werden. Die ungeheure Fülle des Materials macht es nötig, sich auf einzelne wichtige Positionen zu beschränken. Neben dem Videomaterial werden sowohl Künstlertexte als auch wichtige medien- und kunsttheoretische Texte zur Analyse herangezogen. Methodisch verfolgt das Seminar das Ziel, aktuelle und historische theoretische Texte mit Videoarbeiten von den Anfängen bis heute in Beziehung zu setzen. Es wird geübt, wie komplex gestaltete Videoarbeiten angemessen beschrieben und analysiert werden können.

Lit.: Lydia Haustein: Videokunst, München 2003, Slavko Kacunko: Closed Circuit Videoinstallationen. Ein Leitfaden zur Geschichte und Theorie der Medienkunst mit Bausteinen eines Künstlerlexikons. Berlin 2004, Yvonne Spielmann: Video. Ein reflexives Medium. Frankfurt am Main 2005.
Weiterführende Literatur wird im Seminar bekanntgegeben.

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MEDIENFASSADEN: DIE STADT ALS DISPLAY
DO 14.15 – 15.45 UHR / ERNST-ABBE-PLATZ 8, R. 220
VERTIEFUNGSMODUL

Meist an zentralen Plätzen in den Metropolen anzutreffen, sind Medienfassaden aus dem heutigen Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Sie sind zu einem Wahrzeichen der globalen Städte des 21. Jahrhunderts geworden und verkörpern unsere mediale Gesellschaft auf besonders sichtbare Art und Weise. Von Fassaden mit eingelassenen Riesenbildschirmen über fluoreszierende Gebäudehüllen zu riesigen Projektionsflächen reicht ihr Erscheinungsbild. Via Lichtstream versenden sie ihre Bilder und Botschaften und verwandeln die Gebäudeoberflächen in ein visuelles Spektakel und die Plätze und Straßen in ein Lichttheater, das auf die Stadtbenutzer einwirkt. Hier zeigt sich nicht nur ein fundamental neues architektonisches Denken, sondern auch ein sich wandelndes Verständnis von Städtebau, das den Platz nicht mehr als urbanes architektonisches Ensemble und Fixpunkt, sondern als fließendes mediales Ereignis begreift.
Diese leuchtend-bewegten Fassaden sollen Mittelpunkt des Seminars sein, das die zeitgenössische Architektur als sich veränderndes Display einer medialen Stadt untersucht. Das Seminar möchte einerseits die verschiedenen Erscheinungsformen dieser modernen bewegten Architekturen behandeln, andererseits der Frage nachgehen, ob Architektur selbst ein Medium ist. Inwieweit beeinflussen sich mediale technische Entwicklungen und Architektur? Welchen Einfluss haben die technologischen Innovationen auf unsere Gestaltung der Städte? Sowohl historische Vorbilder, als auch ästhetische Medienstrategien und deren Ausdrucksmittel sollen untersucht und in einen zeitgenössischen Medien- und Architekturdiskurs eingebunden werden. Dabei werden historische sowie aktuelle architektur- und medientheoretische Texte herangezogen und in die gegenwärtige Architekturdebatte integriert, wie auch Begrifflichkeiten geklärt werden.

Lit.: Eckhardt, Frank und Martina Zschocke (Hrsg.): Mediacity. Weimar 2006, First Monday, Special Issue #4: Urban Screens: Discovering the potential of outdoor screens for urban society (2010). http://firstmonday.org/, Kronhagel, Christoph: Mediatektur. Die Gestaltung medial erweiterter Räume. Wien 2010, Kuhnert, Nikolaus und Philipp Oswalt: Medienfassaden. In: Arch+: Fassaden 108 (1991). S. 26-27, Scott McQuire, Meredith Martin and Sabine Niederer (Hrsg.): Urban Screens Reader. Amsterdam 2009.

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CURATING MEDIA ARTS! Eine Herausforderung an die Ausstellungspraxis
DO 10.15 – 13.45 UHR / ERNST-ABBE-PLATZ 8, R. 208
VERTIEFUNGSMODUL

Das Ausstellen von Medienkunst stellt besondere Anforderungen an den Kurator hinsichtlich der Ausstellbarkeit und „Mise en scène“ der oft raumgreifenden, ephemeren und tönenden Werke. Im Seminar werde Strategien des Ausstellens zeitgenössischer Medienkunst im Zentrum stehen, wobei einerseits die Praxis des Kuratierens theoretisch und andererseits auch praktisch beleuchtet wird. Wie hat sich durch digitale, mediale Kunstwerke auch die Ausstellungspraxis verändert? Welche Herausforderungen werden an große museale Ausstellungen, welche an FreeLance-Projekte oder Ausstellungen in Kunstvereinen oder Galerien gestellt?
In der ersten Hälfte des Semesters werden wir Verfahren, Strategien und Perspektiven des kuratorischen Handelns anhand kanonischer Ausstellungspositionen wie zum Beispiel der „Exposition Internationale du Surréalisme“ (1938), der ersten „documenta“ (1955) oder Harald Szeemanns legendärer Ausstellung „When Attitudes Become Form“ (1969) reflektieren und dann im weiteren Verlauf des Seminars aktuelle Ausstellungen besuchen und deren Konzeption analysieren. Durch Besuche von ausgewählten Ausstellungen in Jena, Leipzig und Berlin sollen Bezüge zu aktuellen Ausstellungs- und Museumsdebatten hergestellt und diskutiert werden. Geplant ist eine Exkursion nach Leipzig, wo wir die Leiterin des Masterstudiengangs „Kulturen des Kuratorischen“ Prof. Dr. Beatrice von Bismarck und Rike Frank, Kuratorin, treffen werden. Zudem wird im Juni eine 5-tägige Exkursion nach Berlin zur Berlin Biennale und Alfredo Jaar-Retrospektive stattfinden, wo wir u.a. den Künstler selbst, als auch den Kurator der Ausstellung Frank Wagner sowie die Medienkünstlerin und Kuratorin Christin Lahr treffen werden.
Im zweiten Teil des Seminars werden wir anhand der Medienkunstausstellung „Imaginary Landscape“ die vom 15.06.-11.08.2012 aus Anlass des 100. Geburtstags von John Cage im Kunstverein Gera stattfinden wird, Einblick in die praktische Arbeit von Kuratoren von der Konzeptions- und Antragsphase über Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, organisatorische Fragen bis zum Aufbau einer Ausstellung erhalten.

Lit.: Bianchi, Paolo (Hrsg.): Das neue Ausstellen. Kunstforum International. 186 (2007), Cook, Sarah und Beryl Graham (Hrsg.): Rethinking Curating. Art after New Media. Cambridge 2010, Cook, Sarah, Beryl Graham, Verina Gfader und Axel Lapp (Hrsg.): A Brief History of Curating New Media Art: Conversations with Curators. Berlin 2010, Groys, Boris: Medienkunst im Museum. In: Pias, Claus (Hrsg.): Medien 3. Neue Vorträge zur Medienkultur. Weimar 2000. S. 267-284, Klüser, Bernd und Katharina Hegewisch (Hrsg.): Die Kunst der Ausstellung. Eine Dokumentation dreißig exemplarischer Kunstausstellungen dieses Jahrhunderts. Frankfurt am Main/Leipzig 1991, Leuenberger-Ruettimann, Marina: Offspace: zwischen Kommerz und Institution. Zürich 2008, Obrist, Hans Ulrich: A Brief History of Curating. Zürich 2011, Obrist, Hans Ulrich: Everything You Always Wanted to Know About Curating. Berlin 2011, O’Doherty, Brian: In der weißen Zelle. Inside the White Cube (1976). Berlin 1986.